sinn und unsinn

Ich sitze also wieder einmal hier, um , wie es sich für eine Homepage gehört, dem Betrachter in möglichst einleuchtenden Worten mein Schaffen zu erklären, meine in Bilder oder Skulpturen gegossenen Gedanken näher zu bringen und eventuell vorhandene Beweggründe und Inspirationsquellen zu erläutern. Anders als in früheren Zeiten stürzt mich ein solches Vorhaben mittlerweile nicht mehr in bodenlose Zweifel und Depression- der Abstumpfung und Ermattung meines zunehmenden Alters sei Dank.

Der tiefere Sinn

Ich beginne mit dem Einfachsten: der „tiefere Sinn“ . Falls sie sich mit meinen Werken diesbezüglich auseinanderzusetzen überhaupt willens sind, ist es zwar nicht ausgeschlossen auf einen tieferen Sinn; – eine wie auch immer geartete „größere Wahrheit“ zu stoßen, hochgradig warscheinlich ist es jedoch nicht. Zumindest würden sie meine Bilder dann besser verstehen als ich selbst das tue. Als wäre es nicht schon ärgerlich genug, nach Dingen suchen zu müssen, von denen man zwar bestimmt weiß daß man sie hat, sie aber nie findet wenn man sie braucht; -wem würde es da schon einfallen freiwillig nach Dingen zu suchen deren blanke Existenz für schon mehr als unwahrscheinlich gilt.Gänzlich hoffnungslos ist die Sache allerdings nicht:

Unordnung

Anfang des 20. Jahrhunderts zerbrach eine jahrhundertealte Tradition. Kunstbetrachter standen vor mehr oder weniger meisterlichen Gemälden , bewunderten diese aufgrund ihrer meisterhaften Licht- und Pinselführung ,der durchdachten Komposition und der naturgetreuen Wiedergabe des Dargestellten, kurzum sie bestaunten , beurteilten und kritisierten die kreative Leistung eines Künstlers. Der Sinn war das Gute im Schönen und umgekehrt zu suchen und zu finden. Mit der eruptiven Gewalt und der geradezu seismischen Verschiebung durch das Entstehen der sogenannten „Moderne“ verschwand diese althergebrachte Sicht auf die Kunst zwar nicht, aber sie wurde ergänzt. War die Kunstwelt und das „kreative“ Potential streng geordnet und beinahe ausschließlich dem Künstler zugewiesen, zwang die Moderne den Betrachter zur Neubewertung der eigenen Kreativität. Alte und wohlbekannte Versatzstücke, Floskeln und Kriterien verfielen unter der radikalen Änderung, und verlangten vom Betrachter ein weitaus höheres Maß an Vorstellungskraft und geistiger Beweglichkeit, sofern die moderenen Werke für ihn lesbar werden sollten. Die Betrachtung wurde zur Kommunikation.

Der „spielende Mensch“

Ich bin ein ängstlicher Spieler.Das Spiel mit Bildern und Ideen , Fragmenten Formen und Farben findet bei mir im stets abgesicherten Bereich der viereckigen Leinwände und Papierblätter statt. Bevor der Mensch ins sog. „echte Leben“ hineinwächst lernt er im Spiel. Er experimentiert , testet , kombiniert und verändert Muster, Regeln und Ideen. Meine Sandburgen werden niemals „echt“. Sie bleiben stets die vergänglichen Versuche eines nur teilweise verantwortungsfähigen Urhebers. Meine Bilder sind weder Bildgeschichten, noch manifestierte ausgegorene Ideen. Sie sind immer sprachimitierendes Gebrabbel, zerstückelte Gesprächsfetzen wiederholt unterbrochener Telefonate bei schlechtem Empfang.

phhaselwanter@gmail.com

Philipp Haselwanter

geboren 1975 in Innsbruck. Akadem. Gymnasium ebendort. aufgewachsen in Natters /Tirol. Akademie der Bildenden Künste Wien /Meisterklasse für Malerei und Grafik Prof. Gunter Damisch. lebe und arbeite in Wien und Oslip /Burgenland. sporadische Austellungstätigkeit in Wien Innsbruck, Oslo und New Orleans.